Freistellung von Tagesgeld – das sollten Sie beachten

Freistellung von Tagesgeld Zinserträge gehören in Deutschland zu den Kapitaleinkünften und unterliegen somit der Steuerpflicht. Seit der Inkraftsetzung der Abgeltungssteuer im Jahr 2009, die der Stimulierung der Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität des deutschen Finanzplatzes dient, erfolgt eine Versteuerung von Kapitalerträgen mit 25 %. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag (5,5 %) sowie gegebenenfalls die Kirchensteuer (je nach Bundesland 8-9%, die jedoch zur Verringerung der Abgeltungssteuer und des Solidaritätszuschlages führt, sodass mit/ohne Kirchensteuer insgesamt ca. 28 % abgeführt werden).

Natürliche Personen mit Wohnsitz in Deutschland haben jedoch die Möglichkeit, einen bestimmten Zinsertrag von der Steuer zu befreien, wenn sie einen Freistellungsauftrag ausfüllen. Die Höhe des Betrages hängt dabei von Faktoren wie Einkommen und Familienstand ab:

Alleinstehende und Ehepartner

Seit dem 1. Januar 2009 sind Verheiratete mit Kapitaleinkünften bis zu 1.602 Euro und Ledige bis zu 801 Euro von der Abgeltungssteuer befreit, d. h. Zinserträge sind bis zu dieser Obergrenze steuerfrei. Da Sparkassen und Banken die Abgeltungssteuer automatisch abführen, muss jeder Kunde einen Freistellungsauftrag einreichen, damit der Freibetrag berücksichtigt wird. Hat eine Person Konten bei verschiedenen Banken, können mehrere Freistellungsaufträge eingereicht werden. Deren Summe darf jedoch nicht die festgelegten Höchstgrenzen überschreiten – dies wird stichprobenartig durch das Finanzamt überprüft. Wenn sich Ehepartner für eine gemeinsame steuerliche Veranlagung entschieden haben, müssen sie den Freistellungsauftrag bei jeder Bank gemeinsam erteilen.

Geringes Einkommen

Singles und Ehepaare mit geringem Einkommen, die im nächsten Jahr voraussichtlich keine Einkommensteuer abführen müssen, können beim zuständigen Finanzamt eine sogenannte „Nichtveranlagungsbescheinigung“ erhalten. Optional ist das Formular auch online beim Bundesministerium der Finanzen erhältlich (Formularcenter > Formulare A-Z > Nichtveranlagungs-Bescheinigung > Antrag auf Nichtveranlagungs-Bescheinigung für natürliche Personen – NV 1 A). Liegt einer Bank diese Bescheinigung vor, werden alle Kapitalerträge und Zinsen ohne Abzug der Abgeltungssteuer ausbezahlt.

Singles, verheiratete oder geschiedene Kunden

  1. Für den Freistellungsauftrag für Singles gibt es keine besonderen Regelungen. Entsprechende Änderungen können oftmals online durchgeführt werden.
  2. Für den Freistellungsauftrag von verheirateten Kunden sind zusätzlich zu den Angaben des Kontoinhabers jene des Ehepartners notwendig.
  3. Mit der Hochzeit werden alle gestellten Freistellungsaufträge ungültig und es muss ein neuer Auftrag für Ehepartner erteilt werden. Dieser neue Auftrag darf bereits aufgebrauchte Freibeträge der beiden Ehepartner für das laufende Jahr keinesfalls unterschreiten.
  4. Im Falle einer Scheidung bleibt der Freistellungsauftrag bis zum Jahresende gültig. Im nachfolgenden Jahr muss ein neuer Auftrag für Singles erteilt werden.

Freistellungsauftrag bei Kontoeröffnung

Der Freistellungsauftrag sollte bereits bei der Eröffnung eines Tagesgeldkontos erteilt werden, da das Thema danach häufig in Vergessenheit gerät. Änderungen und Löschung sind auch zu späteren Zeitpunkten problemlos über das Online-Banking des Tagesgeldkontos möglich. Optional reicht ein kurzes Schreiben beziehungsweise ein Telefonat mit der entsprechenden Bank.

Beim Tagesgeld-Hopping oder Wechsel des Anbieters ist es ebenfalls wichtig, die Aufträge immer wieder an aktuelle Erfordernisse anzupassen. Hier bietet sich die Erstellung einer Übersicht der Freistellungsaufträge der unterschiedlichen Banken in einer Excel-Tabelle an, die dem Anleger einen Überblick und dementsprechend schnelle Änderungen ermöglicht.

Der Freistellungsauftrag wird vergessen

Wenn der Anleger sein Geld auf mehrere Tagesgeldkonten verteilt hat, gerät der Freistellungsauftrag oftmals in Vergessenheit. In diesem Fall wird die Abgeltungssteuer der Kapitalerträge einbehalten und nur der Nettobetrag ausgeschüttet. Die einbehaltene Abgeltungssteuer wird anschließend von der Bank an die Finanzverwaltung abgeführt. Wurde der Sparer-Pauschbetrag durch den vergessenen Freistellungsauftrag nicht ausgeschöpft, kann dies zum Jahresende in der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden. Kirchensteuerpflichtige, die einen Freistellungsauftrag stellen, können diese gleichzeitig mit der Abgeltungssteuer durch die Bank entrichten, wenn sie der Bank die Konfession mitteilen. Optional ist eine Zahlung über die Angaben in der Einkommensteuererklärung möglich, wofür die Belege der Abgeltungsteuer beim Finanzamt einzureichen sind.

Der Sparer-Pauschbetrag

Der Freistellungsauftrag gilt immer pro Kreditinstitut und nicht pro Sparform oder Geldanlage. Besitzt ein Anleger Kapitaleinkünfte eines Tagesgeldkontos und eines Wertpapierdepots bei einer Bank, gilt der Auftrag automatisch für beide Anlagen. In seiner Summe darf der maximal mögliche Freibetrag von 801 Euro bei Singles sowie 1.602 Euro bei Ehepaaren bei der Aufteilung auf mehrere Kreditinstitute jedoch nicht überschritten werden.

Die Einhaltung der Obergrenze wird stichprobenartig überprüft, indem die die Banken die Freistellungsaufträge nach § 45d des Einkommensteuergesetzes beim Bundesamt für Finanzen melden. Durch die obligatorische Angabe der Steueridentifikationsnummer auf den Anträgen ist dabei eine eindeutige Zuordnung gewährleistet.

Die Richtige Aufteilung

Die Aufteilung der Freistellungsaufträge erfolgt in der Regel entsprechend der anfallenden Zinsen: Die Anlageform, die den größten Teil der Zinserträge erwirtschaftet, erhält einen Großteil des Freibetrages. Das nachfolgende Beispiel verdeutlicht, dass sich der Freistellungsauftrag selbst dann lohnt, wenn dieser nicht den kompletten Zinsgewinn abdeckt:

Rechenbeispiel von ratgeber-geld.de

Beispiel 1 Beispiel 2 Beispiel 3
Anlagebetrag 10.000,00 EUR 10.000,00 EUR 10.000,00 EUR
Zinsgewinn 300,00 EUR 300,00 EUR 300,00 EUR
Freistellungsauftrag nicht gestellt 200,00 EUR 300,00 EUR
zu versteuernder Kapitalertrag 300,00 EUR 100,00 EUR 0,00 EUR
Abgeltungssteuer (25 %) 75,00 EUR 25,00 EUR 0,00 EUR
Solidaritätszuschlag (5,5 %) 4,13 EUR 1,38 EUR 0,00 EUR
Steuern gesamt 79,13 EUR 26,38 EUR 0,00 EUR
verbleibender Zinsgewinn nach Steuern 220,87 EUR 273,62 EUR 300,00 EUR

Q&A – Fragen und Antworten

Abschließend fasst das Q&A die wichtigsten Punkte zusammen.

  1. F.: Wer ist von der Abgeltungssteuer betroffen?
    A.: alle Privatanleger.
  2. F.: Wie hoch ist die Abgeltungssteuer?
    A.: 25 % + Solidaritätszuschlag + Kirchensteuer, insgesamt ca. 28 %
  3. F.: Seit wann gilt die Abgeltungssteuer?
    A.: 1. Januar 2009.
  4. F.: Was wird besteuert?
    A.: Veräußerungsgewinne, Kapitalerträge auf Dividenden und Zinsen.
  5. F.: Wie hoch ist der Freibetrag?
    A.: Ledige: 801 Euro, Verheiratete: 1.602 Euro.

Mit freundlicher Unterstützung von tagesgeld.org. Weiterführende Informationen und Downloads hier.

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